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Brandschutzzertifizierung von Verbundwerkstoffen

Brandschutzzertifizierung von Verbundwerkstoffen — Zenginler İmalat

Bei einem Brand tötet meist nicht die Flamme, sondern Rauch und toxisches Gas. Genau das misst ein Brandschutzzertifikat.

Die meistdiskutierte Eigenschaft von Verbundwerkstoffen ist ihre Brennbarkeit. Ein Standard-Polyesterlaminat ist ein organisches Polymer und brennt bei ausreichender Wärmezufuhr. Dennoch werden GFK-Paneele heute in großem Umfang in Metros, Straßenbahnen, Fahrgastschiffen und Flugzeugen eingesetzt.

Ein Widerspruch ist das nicht — denn die Frage lautet nicht, ob der Werkstoff brennt, sondern wie er sich beim Brennen verhält. Diese Frage kann nur eine Prüfung im akkreditierten Labor beantworten.

Was bei einem Brand tatsächlich tötet

Jede Brandschutznorm beruht auf einer Tatsache: Bei Bränden in geschlossenen Räumen werden die meisten Todesfälle nicht durch Flammen, sondern durch Rauchgasinhalation und toxische Gase verursacht.

In einem Metrotunnel, einem Eisenbahnwagen oder dem Gang eines Fahrgastschiffs bemisst sich die Evakuierungszeit in Minuten. Drei Dinge bestimmen diese Minuten:

  • Wärmefreisetzung: Wie schnell gibt der Werkstoff Energie ab? Das bestimmt die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Brandes.
  • Rauchdichte: Sind die Fluchtwegkennzeichnungen noch erkennbar? Die Sichtweite bestimmt die Evakuierungszeit unmittelbar.
  • Toxizität: In welchem Anteil entstehen CO, HCN, HCl, HF, SO₂ und NOx?

Ohne Messung dieser drei Größen ist die Behauptung, ein Werkstoff sei „nicht brennbar“, bedeutungslos.

Was ein Zertifikat tatsächlich misst

PrüfverfahrenGegenstandKenngröße
TS ISO 5660-1 (Cone-Kalorimeter)Wärmefreisetzungsrate, MassenverlustMARHE (kW/m²)
TS EN ISO 5659-2 (Einzelkammer)Optische RauchdichteDs(4), VOF₄
TS ISO 5658-2 (seitliche Ausbreitung)FlammenausbreitungsverhaltenCFE (kW/m²)
EN 45545-2 Anhang C (FTIR)GastoxizitätCITG (konventioneller Toxizitätsindex)

MARHE (Maximum Average Rate of Heat Emission) zeigt, wie stark der Werkstoff einen Brand nährt — je niedriger, desto besser. Ds(4) ist die optische Rauchdichte nach vier Minuten. CITG ist die gewichtete Summe der freigesetzten Giftgase und muss unter 1 liegen.

Das Zertifikat gilt dem Schichtpaket, nicht dem Werkstoff

Das ist der häufigste Fehler in der Praxis. Das Brandverhalten ist eine Eigenschaft des gesamten Laminats, nicht seiner Einzelbestandteile. Ein Zertifikat umfasst:

  • Harztyp und -marke
  • Gelcoat-Typ und Verbrauch je m²
  • Fasertyp, Flächengewicht und Lagenzahl
  • Gesamtwandstärke und Flächengewicht
  • Lack- und Grundierungssystem, sofern vorhanden
  • Kernmaterial, sofern vorhanden

Ändert sich einer dieser Punkte — etwa der Wechsel zu einem „gleichwertigen“ Gelcoat anderer Marke — gilt das Zertifikat für dieses Bauteil nicht mehr. Deshalb ist zertifizierte Fertigung ohne ISO-9001-Rezepturkontrolle nicht aufrechtzuerhalten.

Die realen Kosten nicht zertifizierter Werkstoffe

  • Ausschluss: In Ausschreibungen der Bahn- und Schiffbranche ist die Zertifizierung keine Präferenz, sondern Voraussetzung. Ohne sie kann ein Lieferant nicht einmal anbieten.
  • Zurückweisung vor Ort: Wird das Bauteil nach der Fertigung abgelehnt, trägt die Kosten vollständig der Hersteller.
  • Zivil- und strafrechtliche Haftung: Bei einem Brandereignis begründet der Einsatz nicht zertifizierter Werkstoffe eine unmittelbare Haftung.
  • Versicherung: Versicherer prüfen die Werkstoffkonformität in der Schadenakte.
  • Reputation: Ein einziger Vorfall im öffentlichen Verkehr betrifft jedes Unternehmen der Lieferkette.

Wie Brandverhalten erreicht wird

Das Brandverhalten von GFK ist ein Konstruktionsergebnis und wird über die Formulierung gesteuert:

  • Flammhemmendes Harz: phosphor- oder halogenmodifiziertes ungesättigtes Polyesterharz oder Phenolharz.
  • ATH-Füllstoff: Aluminiumtrihydrat gibt beim Erhitzen sein chemisch gebundenes Wasser ab, kühlt die Umgebung und verdünnt brennbare Gase. Es ist das verbreitetste und wirksamste Mittel im GFK-Brandschutz.
  • Brandschutz-Gelcoat: Die Oberfläche ist in der Flammenausbreitungsprüfung ausschlaggebend.
  • Flammhemmender Lack und Grundierung: eine zusätzliche Schicht auf Sichtflächen.
  • Laminataufbau: Wandstärke und Flächengewicht beeinflussen das Prüfergebnis.

Welche Norm gilt wo

BrancheNormHinweis
Schienenverkehr (Europa)EN 45545-2R-Anforderungssätze und Gefährdungsstufen HL1/HL2/HL3
SchifffahrtIMO 2010 FTP CodeVerpflichtend nach SOLAS Kapitel II-2
BauprodukteEN 13501-1Euroklassen A1–F
Schienenverkehr (USA)NFPA 130, 49 CFR 238Abweichendes Prüfprotokoll

Die Brandschutzzertifizierung von Zenginler İmalat

Das von Zenginler İmalat in Bahnanwendungen eingesetzte lackierte GFK-Laminat wurde im TSE-Labor für Brandverhalten und Akustik von Baustoffen geprüft. Die TSE-Laboratorien sind von der TÜRKAK unter der Registriernummer AB-0001-T nach TS EN ISO/IEC 17025:2017 akkreditiert.

Nach dem Klassifizierungsbericht 304218 vom 23.09.2024 erfüllt das Laminat im Anforderungssatz R1 der TS EN 45545-2:2023 alle drei Gefährdungsstufen — HL1, HL2 und HL3. Die gemessenen Werte:

KenngrößeGemessenHL3-GrenzwertErgebnis
MARHE (kW/m²)59,73≤ 60Erfüllt
Ds(4)101,13≤ 150Erfüllt
CITG0,68≤ 0,75Erfüllt

Die Klassifizierung stützt sich auf drei separate TSE-Prüfberichte: 304143 (TS ISO 5658-2 — Flammenausbreitung), 304158 (TS EN ISO 5659-2 — Rauchdichte) und 304180 (TS ISO 5660-1 — Wärmefreisetzung). Alle Berichte stehen als signierte PDF auf unserer Seite Managementsysteme bereit.

Häufig gestellte Fragen

Im öffentlichen Verkehr mit geschlossenen Räumen — Bahn und Schifffahrt — ist die Zertifizierung gesetzliche Voraussetzung. Sie belegt durch akkreditierte Laborprüfung, dass Wärmefreisetzung, Rauchdichte und Toxizität in Grenzen bleiben, die die Evakuierung nicht gefährden.

Nein. Das Zertifikat gilt dem gesamten Schichtpaket einschließlich Gelcoat, Harz, Verstärkung, Wandstärke und etwaigem Lack. Ändert sich ein Bestandteil, gilt das Zertifikat für dieses Produkt nicht mehr.

MARHE (Maximum Average Rate of Heat Emission) zeigt, wie viel Energie ein Werkstoff einem Brand zuführt. Ein niedriger MARHE bedeutet langsamere Brandausbreitung und mehr Zeit für die Evakuierung.

In hohen Anteilen beeinflussen Füllstoffe wie ATH die mechanischen Kennwerte durchaus. Die Laminatkonstruktion muss daher Brandverhalten und Festigkeit gemeinsam optimieren.

Quellen

Die fachlichen Angaben in diesem Artikel sind den unten genannten Quellen entnommen. Unternehmenseigene Dokumente und Prüfergebnisse stammen aus unseren eigenen Unterlagen.

  1. TSE-Klassifizierungsbericht 304218 / 09-24 — TS EN 45545-2:2023 (Zenginler İmalat, 23.09.2024)
  2. EN 45545-2 Fire Testing for Railway Materials: Overview of Requirements — Measurlabs
  3. EN 45545-2 Brandverhalten von Werkstoffen und Bauteilen in Schienenfahrzeugen — Istituto Giordano
  4. How to Ensure Rail Car Safety: Key Standards EN 45545-2, 49CFR238, NFPA 130 — Rogers Corporation

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